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3D-Drucker – eine Alternative zum Schlüsseldienst?

Neue Gefahr aus dem Internet: 3D Drucker und Apps erleichtern den Wohnungszutritt

Jeder weiß: Der Verlust eines Schlüssels kann teuer enden und besonders am Wochenende verlangen Schlüsseldienste teilweise mehrere Hundert Euro für nur ein paar Minuten Arbeit. Doch nun bekommt der klassische Schlüsseldienst Konkurrenz aus dem Netz: Apps wie KeyMe oder KeyDuplicated arbeiten mit einem 3D Drucker und ermöglichen so ein schnelles und preiswertes Duplikat des Schlüssels. Das schont zwar einerseits den Geldbeutel der Verbraucher, sorgt aber gleichzeitig auch für eine erhöhte Einbruchgefahr.

Schlüssel aus dem 3D-Drucker

Apps wie KeyDuplicated und KeyMe erstellen Schlüssel mit 3D-Drucker

In den USA sind Schlüsselkopien per 3D-Drucker bereits alltäglich: Unternehmen wie KeyMe oder KeyDuplicated fertigen Schlüsselkopien anhand von Fotos an. Das gilt allerdings ausschließlich für Zackenschlüssel. Hierfür muss der Kunde nur eine App installieren und auf dieser ein Foto hochladen. Zudem betreibt KeyMe in New York fünf kleine Shops, die innerhalb von 30 Sekunden einen Schlüssel kopieren. Wer möchte, kann auch seinen Schlüssel als Back-up speichern, um später bei Verlust ein Original ausdrucken zu können.

Doch die Kombination der App mit den immer billiger und besser werdenden 3D-Druckern ist gefährlich. Und dies betrifft nicht nur den Bereich von Wohnungs- oder Unternehmens-Schlüssel, sondern auch Schlüssel für Schließfächer, Schließanlagen und Co. Denn jeder, der die 3D-Kopie der Schlüssel angefertigt hat, hat so jederzeit Zugriff auf die Wohnung. Ein Haustürschlüssel, der beispielsweise im Restaurant neben einem liegt, ist schnell einmal abfotografiert. Außerdem könnten Einbrecher Putzfrauen oder Handwerker einspannen, um einen Schlüssel zu fotografieren und sich so Zutritt zur Wohnung zu verschaffen.

Wie KeyDuplicate arbeitet, sehen Sie in folgendem Video:

 

Ohne entsprechende Vorsorge klappt es aber auch nicht mit dem Internet-Schlüsseldienst

Doch damit überhaupt auf den Schlüsseldienst verzichtet werden kann, ist eine entsprechende Vorarbeit erforderlich. Denn befindet sich der Schlüssel beim Aussperren in der Wohnung, helfen auch die Apps nicht, wenn kein Foto existiert. Hierfür muss beispielsweise bei KeyMe der Schlüssel aus etwa zehn Zentimetern Entfernung auf einem weißen Blatt liegend fotografiert und an die App gesendet werden. Geht dann der Schlüssel verloren, bestellt der User ihn per App. Dieser wird dann wahlweise auf dem Postwege versandt oder kann, wenn es besonders schnell gehen soll, bei einem der KeyMe Shops abgeholt werden.

Der Shop holt sich die Daten aus der Cloud und fertig mit einem 3D-Drucker, der im Laden steht, ein Replik aus Kunststoff an. Dieses kostet 20 US-Dollar. Alternativ kann der Schlüssel auch beim Schlüsseldienst abgeholt werden – hierfür fallen 15 US-Dollar an. Zu beachten ist, dass keine Schlüssel für Hoch-Sicherheitsschlösser oder für öffentliche Einrichtungen nachgemacht werden. Somit wären (rein theoretisch) auch Schlüssel für Schließanlagen ausgenommen.

Missbrauch kann nicht ausgeschlossen werden

Um einen Missbrauch zu verhindern, muss beispielsweise beim Shop ein Fingerabdruck abgegeben und die Bestellung per Kreditkarte verifiziert werden. Außerdem erhält der Schlüsselbesitzer vom Anbieter vor Anfertigung eine E-Mail. Da aber immer noch viele Haustüren und Wohnungstüren nicht über Sicherheitsschlösser verfügen, können Einbrecher leicht mit der App Missbrauch treiben. Hierfür gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie stehlen den Schlüssel und geben ihn als ihren eigenen aus oder sie fertigen selbst eine entsprechende Kopie mithilfe eines 3D-Druckers an. Gewieften Kriminellen sollte es nicht schwer fallen, selbst einen Hochsicherheitsschlüssel mit einem eigenen 3D Drucker nachzumachen.

Wie einfach die Sicherheitsvorkehrungen von KeyMe umgangen werden können, zeigt der Test eines Redakteurs einer amerikanischen Zeitung: er fotografierte den Schlüssel eines Freundes und stand nur eine Stunde später in dessen Wohnzimmer. Schlösser auf Basis von RFID- oder Funksendern sowie mit Chipkarten, wie sie bereits heute bei professionellen Schließsystemen oder bei Autotüren eingesetzt werden, könnten den Missbrauch einschränken. Mit den kontaktlosen Chipkarten ist kein Schloss mehr erforderlich, sondern stattdessen muss nur noch ein Knopf gedrückt werden und die Tür öffnet sich, sobald sich die Chipkarte in der Nähe befindet.

Solange es noch nicht entsprechende Sicherheitsvorkehrungen im Heimbereich gibt, sollten Wohnungsbesitzer auf ihre eigenen Schlüssel aufpassen, umso den Missbrauch zu vermeiden. Hinzu kommt, dass KeyMe bereits angekündigt hat, demnächst auch Autoschlüssel nachzumachen, die den zuvor genannten Transponder besitzen. Das größte Problem für beiden Apps ist nicht ein entsprechendes Gesetz, welches den Missbrauch verhindert, sondern das eigene Geschäftsmodell. Denn durch die Geschäftsidee, die sich hinter dem Verfahren verbirgt, wird somit der Metallschlüssel unsicher – und ein Schloss, welches unsicher ist, erfüllt nicht seinen eigentlichen Zweck. Das bedeutet, dass sich KeyMe und KeyDuplicated mit zunehmendem Umsatz auch gleichzeitig selbst abschaffen.

Bereits 2012 wurde eine 3D-Schlüsselkopie von CCC-Mitgliedern angefertigt

Wie unsicher die klassischen Metallschlüssel tatsächlich sind, hatten bereits im Jahr 2012 Münchener CCC-Mitglieder gezeigt: Sie demonstrierten auf dem 29. Chaos Communication Congress, wie einfach man Schlüssel kopieren kann – darunter auch beispielsweise Schlüssel von Handschellen. Die hierfür verwendete Technik ähnelt stark der von KeyMe verwendeten: Ein 3D-Drucker druckt anhand von Fotos einen neuen Schlüssel. Da es solche 3D-Drucker mittlerweile für nur ein paar Hundert Euro gibt, kann somit jeder selbst zum Schlüsseldienst werden – auch ohne entsprechende App.

Das bedeutet, dass der Metallschlüssel zukünftig noch leichter und schneller kopierbar sein wird. Denn auch ein professioneller Schlüsselladen benötigt nur wenige Minuten, um einen ihm vorgelegten Schlüssel zu kopieren. Daher ändert sich nichts an der Unsicherheit von Metallschlüsseln, sondern vielmehr erweitert sich schlichtweg einfach der Personenkreis derjenigen, die einen Schlüssel problemlos nachahmen können. Einzig die Tatsache, dass nicht mehr der Originalschlüssel abgegeben werden muss, sondern nur noch ein Foto reicht, hat sich geändert.

Fachleute befürchten, dass in naher Zukunft auch ein verzerrtes oder schlechtes Foto als Grundlage für den 3D-Drucker ausreicht. Daher werden sich Verbraucher künftig darauf einstellen müssen, ihre Haustüren besser durch entsprechende Schließanlagen zu sichern.

Tool Keysforge benötigt sogar nur noch ein Foto des Schlüssellochs

Noch einfacher, um Unberechtigten Zutritt zu Wohnungen und Geschäftsräume zu gewähren, macht es das Tool Keysforge: Hier muss noch nicht einmal der Schlüssel fotografiert werden, sondern es reicht bereits das Foto eines Smartphones von einem Schlüsselloch. Mit einem entsprechenden Nummerncode erstellt der 3D-Drucker die erforderlichen Einbuchtungen des Schlüsselbarts. Die Eigenproduktion von Schlüsseln hebt sogar das komplizierte Rechtssystem von Schließanlagen aus. Bereits im Jahr 2003 gelang es, einen Generalschlüssel herzustellen – hierfür sind allerdings viele Varianten des Originalschlüssels erforderlich. Diese können aber ebenfalls mit Keysforge ganz einfach selbst hergestellt werden.

Daher rechnen Experten über kurz oder lang damit, dass aufgrund des Fortschritts bei den 3D-Druckern der Metallschlüssel vor seinem Ende steht. Beispielsweise reichte ein von der US Behörde TSA (Transportation Security Administration) irrtümlich veröffentlichtes Foto dafür aus, um den eigentlich geheimen Kofferschlüssel nachzumachen, der es Zöllnern erlaubt, sämtliche Koffer zu öffnen. Bislang decken KeyDuplicated und KeyMe übrigens ausschließlich den amerikanischen Markt ab.

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